„Lehrknechte vor 475 Jahren“

Bevor ein junger Mann überhaupt in den Genuss der Ordnung kam, hatte er zwei Bedingungen zu erfüllen: Er musste deutscher Abstammung und von ehelicher Geburt sein.

Diese harte letztgenannte Bedingung wurde später von Carl I., der auch die braunschweigische Brandversicherungs-Gesellschaft gründete, abgeschafft. Einige Berufszweige galten als unehrlich und folglich wurden deren Kinder nicht in die Zunft aufgenommen. Dies waren die Berufe des Abdeckers, des Scharfrichters und des Kesselflickers.

Kam der Junge, Lehrknecht genannt, nun in die Lehre, wohnte er bei seinem Meister im Haus und unterstand seiner Erziehung.
Er erhielt in der Familie Kost und Kleidung, wurde im Lesen und Schreiben unterrichtet und – nicht zu vergessen – es wurde darauf geachtet, dass der Junge sonntags zur Kirche ging.

Mit der Aushändigung des Lehrbriefes entließ man den Lehrknecht aus der Lehre. Um anschließend in den Gesellenstand erhoben zu werden, genügte das Urteil des Meisters. Die Anfertigung eines Gesellenstücks als Nachweis des Erlernten wurde erst ab dem 17. Jahrhundert gefordert. Die Anerkennung als ehrlicher Geselle fand der gerade Entlassene jedoch erst dann, wenn er von der Gesellenbruderschaft aufgenommen war. Diese Zugehörigkeit zur Gesellenbruderschaft war eingebunden in eine Vielzahl von Ritualen und sicherte dem Gesellen soziale Anerkennung und Chancen auf Arbeit sowie Versorgung im Krankheitsfall in bruderschaftseigenen Krankenstuben.

Exkurs: Auf der Walz

Lehrknechte vor 475 Jahren