Die Steindecker-Ordnung – Grundlage der Dachdecker-Innung

Die Steindecker zusammen mit den Steinmetzen können mit Fug und Recht behaupten, zu den ältesten Werkleuten Braunschweigs zu gehören. Noch heute legen einige wenige Häuser in Braunschweig Zeugnis ab von dieser alten traditionsreichen Handwerkszunft der Steindecker – so nannte man die Dachdecker in früherer Zeit. Eine erste Erwähnung finden sie 1412, als sie sich in einer geistlichen Bruderschaft ihre erste Ordnung gaben.

Unsere Erzählung beginnt jedoch mit einer Ordnung, die „im Jahre 1529 nach der gnadenreichen Geburt Christi Tausend fünfhundert neunundzwanzig am Pfingstdienstag“ verfasst wurde und zwar zwischen „Steinhauern und Steindeckern die brüderlich geteilet haben Strafgelder, Boldeken, Wachslichte und alles was dazugehören mag ...“. Schon damals wurde nicht alles geteilt: „ausgenommen die Zinsen, zu denen jeder sein Recht allein haben will, so daß der Steindecker Recht gewahrt sei und daß wir es so halten, wie wir es in Vorzeiten gehalten haben. So ist dieser Vertrag geschehen mit der Steindecker und Steinhauer Willen in Anwesenheit von ... mit jedermanns Wissen im ganzen Handwerk.“

Diese Ordnung ist wegen ihrer großen Bedeutung für die braunschweigische Dachdecker-Innung auf den folgenden Seiten mit dem genauen Wortlaut der 15 Gebote abgedruckt. Daneben stellen wir die Aussagen, die die heutige Satzung dazu bereithält.

Die Dachdecker-Innung Braunschweig im Jahr 2004 (475. Jubiläum)

Im Jubiläumsjahr besteht die Dachdecker-Innung aus 24 Mitgliedsbetrieben, in denen rund 120 Mitarbeiter, davon ca. 25 Meister beschäftigt sind. Die Anzahl der Auszubildenden ist annähernd konstant geblieben, obwohl die Anzahl der Betriebe am Markt insgesamt abnimmt. Zurzeit übersteigt der Bedarf an Lehrstellen das Angebot, was zeigt, dass das Dachdeckerhandwerk nach wie vor ein attraktiver Ausbildungsberuf für junge Menschen ist. Und das trotz schon länger anhaltender Flaute in der Baubranche. Seit dem letzten Jubiläum im Jahr 1979 hat die Innung rund 300 Lehrlinge ausgebildet.

Die Dachdecker-Innung Braunschweig – wie auch alle anderen Innungen – ist eingebunden in den Landesverband und dieser wiederum ist Bestandteil der bundesweiten Berufsorganisation des Dachdeckerhandwerks. Somit ist eine Interessenvertretung jedes Innungsbetriebes bis in die höchsten Gremien auf europäischer und internationaler Ebene garantiert.

Einige der Innungsmitglieder sind auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene in Ausschüssen für das Handwerk tätig. Hier sei noch angemerkt, dass ihr Engagement ausschließlich auf ehrenamtlicher Basis stattfindet.

Im Jubiläumsjahr setzte sich der Vorstand aus diesen Mitgliedern zusammen:
Dipl.-Ing. H. Wilhelm Schmidt (Obermeister)
Thomas Meyer (stellvertretender Obermeister, Kassenwart)
Dipl.-Ing. Axel Maring (Schriftführer)
Martin Stock (Lehrlingswart)

Die Aufgaben der Dachdecker-Innung

Nun zu den Aufgaben der Dachdecker-Innung – sie sind 1954 so festgelegt worden: „Aufgabe der Handwerksinnung ist, die gemeinsamen gewerblichen Interessen ihrer Mitglieder zu fördern.“ Etwas freier formuliert, steht die Innung für eine Gemeinschaft, die dafür sorgt, dass in den Innungsbetrieben Gesetze und Bestimmungen eingehalten werden und die Gemeinschaft der Mitglieder gestärkt wird. Dies bezieht sich u. a. auf den „Gemeingeist“, die „Berufsehre“, die Dachdeckerausbildung bis hin zur Meisterprüfung und die Förderung des Genossenschaftswesens.

Des Weiteren kann die Innung bei Streitigkeiten schlichten, die zwischen Innungsmitgliedern untereinander entstanden sind, die zwischen Mitarbeitern, Auszubildenden und Inhabern bestehen oder auch zwischen Kunden und Mitgliedern vorkommen können. Hier unterstützt die Innung mit Rechtsberatung oder Prozessvertretung.

Schließlich soll die Innung die Wirtschaftlichkeit der Betriebe im Auge haben – dies wiederum durch die Bekämpfung der Schwarzarbeit, Marktbeobachtung, moderne Controlling-Systeme und Weiterbildungen in puncto Betriebswirtschaft und Marketing.

Letztendlich sorgt die Innung dafür, das Fachwissen des Gewerks zu erhalten, auszubauen und zu fördern. Zu diesem Zweck werden beispielsweise Fortbildungen im Bereich Sicherheit, Wärmedämmung, Energie- und Umwelttechnik angeboten.

Nicht zu vergessen ist die Beratungsdienstleistung, die die Innung den Mitgliedern sowie öffentlichen Stellen, handwerklichen Organisationen, Einrichtungen und potenziellen Kunden anbietet. Technische, juristische, betriebswirtschaftliche oder sicherheitstechnische Fragen werden schnell und kostenfrei durch erfahrene Fachleute beantwortet. Hierzu bietet die Innung schriftliche Informationen und kostenlose Werbemittel an.

Der Dachdecker-Einkauf Ost eG

Der Dachdecker-Einkauf wurde ursprünglich von Braunschweiger Innungsmitgliedern im Jahr 1964 gegründet. Er ermöglichte es, bauspezifische Produkte zu konkurrenzfähigen Preisen einzukaufen.

Tätigkeit: Einkaufsgenossenschaft
Zielgruppe: Handwerker im Baubereich
Einsatzgebiet: östliches Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Sachsen
Vertretene Branchen: Dachdecker, Zimmerer, Klempner, Baubetriebe, Innenausbauer, Sanitär- und Heizungsbetriebe, Fliesenleger
Zahl der Betriebe: 1380
Besteht seit: 1964
Rechtsform: Genossenschaft
Ansprechpartner: Eberhard Hinz
Adresse: Varrentrappstraße 17, 38114 Braunschweig
Kontakt: eberhard.hinz@de-ost.de
Telefon: (05 31)-218 73 02
Fax: (05 31)-218 73 19
Internet: www.de-ost.de

Vorstand
Der Vorstand der Dachdecker-Innung Braunschweig, v.l.n.r.:
Axel Maring (Schriftwart)
Thomas Meyer (stellv. Obermeister)
H. Wilhelm Schmidt (Obermeister)
Stephan Maring (Lehrlingswart)
Andreas Twele (Kassenwart)