Exkurs: Dächer im Wandel der Zeit

Ohne Dach ist ein Haus kein Haus. Aus der Sicht der Bewohner bietet ein Dach einerseits Schutz gegen die Widrigkeiten der Natur (Hitze, Kälte, Feuchtigkeit), also Sonne, Wind, Regen, Hagel oder Schnee, andererseits speichert es Wärme oder Kühle. Außerdem schützt es vor ungebetenen Gästen und seit dem Einsatz von Ziegeln oder Schieferplatten auch besser vor den gefürchteten Feuersbrünsten. Der Blick von außen konnte zumindest früher einiges über den Wohlstand der Bewohner aussagen. Heute hat ein gut gedecktes Dach auch einen großen Schmuckwert, z. B. werden neuerdings häufiger farbige Ziegel eingesetzt. Gauben und Wintergärten verraten darüber hinaus etwas über die Persönlichkeit der jeweiligen Bewohner.

Seit über 4.000 Jahren ist der Ziegel ein Evergreen unter den Dachbaustoffen: Während in Ägypten etwa 2500 v. Chr. die Pyramiden fertig gestellt wurden, deckte man im griechischen Miloy die Dächer schon längst mit Ziegeln aus gebranntem Ton.

Die frühen Dächer in Braunschweig bestanden jedoch zunächst aus Stroh und Schilf, das mit Lehm verschmiert wurde oder die Häuser waren mit Holzschindeln gedeckt. Ab dem 16. Jahrhundert wurden diese Materialien weniger verwendet, denn sie brannten hervorragend und es kam sehr häufig zu verheerenden Großfeuern. Deshalb gründete 1754 Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel die Brandversicherungs-Gesellschaft. Den Anstoß dazu gab der Brand von 1743 in Schöppenstedt, dem ein großer Teil der Häuser mitsamt seines Hausstandes und dem Saatgut zum Opfer fiel.

Seit dieser Zeit setzten Braunschweiger Dachdecker nach und nach Lehmziegel in der Region ein – die so genannte Braunschweiger Krempziegel. 1764 erging durch den Sohn Carls I., Carl Wilhelm Ferdinand, „die Ordnung die Größe, Güte und Gaare der Barrn-Ziegel- und Lehm-Steine betreffend“, in der erste Qualitätsstandards festgelegt wurden.
Die Schiefereindeckung, die eine kunstvolle Ausarbeitung erforderte und einen guten Schutz gegen Nässe und Feuersbrünste bot, erlangte erst später größere Bedeutung. Wegen der hohen Transportkosten waren sie für die meisten Hausbauer schlicht zu teuer.

Auch Blei und Kupfer wurde in Braunschweig zum Dachdecken – vor allem von Kirchtürmen – benutzt, doch gehen Historiker davon aus, dass diese Dächer von auswärtigen Meistern angefertigt wurden.

Machen wir einen Sprung in die Zeit der Industrialisierung

Verordnung, die Errichtung einer Brandversicherungs-Gesellschaft betreffend