Exkurs: Auf der Walz

Einen wichtigen Abschnitt nach der Gesellenzeit stellte damals die obligatorische Wanderschaft dar. Der Grundgedanke der Walz war zum einen sicherlich der Broterwerb eines jungen und unverheirateten Gesellen und zum anderen die dabei zu sammelnde Lebenserfahrung. Sie diente der beruflichen Vervollkommnung beispielsweise in Bezug auf ihm fremde Verarbeitungsweisen und Eindeckungsarten. Im Gegenzuge wurden in der Fremde die eigenen ortsüblichen Fertigkeiten weitergegeben.

Die folgenden Verse verdeutlichen dies recht anschaulich

Die folgenden Verse verdeutlichen dies recht anschaulich
Wer im Lenzen seiner Jahre,
will was lernen und erfahren,
der muß in die Fremde ziehn,
der muß Wein und Jungfraun fliehn,
sonsten wird er nimmermehr
mit sich bringen Kunst und Ehr.

Hier ein Auszug aus der Festschrift von 1979

„Bei Antritt der ersten Reise mit dem Gesellenbrief ausgestattet, der seine Ehrlichkeit bekundete, fand er am Ziel seiner Wanderschaft Arbeit und Unterkunft. Der Zuschickgeselle, der oft auch Altgeselle war, führte den Angekommenen nach Reihenfolge und auch wohl nach Bedarf den Meistern der Arbeitsaufnahme zu. Am nächsten Krugtage der örtlichen Bruderschaft wurde er dann von dieser aufgenommen. Diese Aufnahme nannte man „Einschenken“. Demgegenüber stand das „Ausschenken“, wenn der Geselle nach beendeter Arbeit am Orte, mit einer von der Obrigkeit ausgestellten Kundschaft in Freundschaft von der Bruderschaft verabschiedet wurde. Schied ein Geselle in Unfrieden, oder hatte er sich eines Vergehend schuldig gemacht, so „leuchtete man ihm Heim“, d. h. man geleitete ihn bei hellerlichtem Tage mit offenen Lichten zum Gespött der Bürger zum Stadttor. Die Kundschaft wurde im 19. Jahrhundert durch das Wanderbuch ersetzt.“

Die Wanderschaft dauerte zuweilen bis zu zwei Jahre. Erst danach konnte der Geselle zur Erlangung der Meisterschaft als Meisterknecht in Stellung gehen und dort musste er dann zwei Jahre bleiben. Diese so genannten „Mutjahre“ dienten dazu, die späteren Kollegen, aber auch die Konkurrenz gut kennen zu lernen.

Heute sieht man immer seltener junge Menschen auf der Walz. Es ist keine Pflicht mehr – die Regeln sind aus heutiger Sicht eher weltfremd –, zwei Jahre ohne festes Auskommen kann sich keiner leisten. Die Unbequemlichkeit einer bloßen Schlafstelle, die noch dazu ständig gewechselt wird, will heutzutage kaum noch jemand auf sich nehmen.

Mit der Lehre zur Karriere

Auf der Walz